Anforderungen an Boden und Klima
Ein Miscanthus-Bestand kann mehr als 20 Jahre lang auf demselben Feld Erträge bringen. Den Standort sollten Sie deshalb mit Blick auf diese lange Nutzungsdauer wählen. Prüfen Sie Boden, Klima und vor allem den Wasserabzug, denn Miscanthus verträgt kein Wasser, das länger auf der Fläche steht. Wenn Staunässe droht, schaffen Sie Abhilfe, bevor Sie Pflanzgut bestellen.
Boden
Miscanthus wächst auf den meisten landwirtschaftlichen Böden, auch auf ärmeren. Seine Wurzeln reichen bis in 2,5 m Tiefe und nehmen Wasser und Nährstoffe aus den tieferen Bodenschichten auf.
Klima
Miscanthus eignet sich für gemäßigtes Kontinental- und Seeklima und nutzt als C4-Pflanze die Sommerwärme effizient. Im Winter schützen Boden, Schnee und abgefallenes Laub die ruhenden Rhizome eines etablierten Bestands. Eine Neuanlage ist im ersten Winter am stärksten gefährdet.
Gepflanzt wird erst, wenn sich der Boden auf 10 °C erwärmt hat. Der Pflanztermin hängt deshalb von der geografischen Breite und der Höhenlage ab. In Süd- und Mitteleuropa erreicht der Boden diese Temperatur im März oder Anfang April, in Nordeuropa und in Gebirgslagen Ende April oder im Mai.
Wählen Sie für den wirtschaftlichen Biomasseanbau ein ebenes oder leicht geneigtes Feld mit gutem Wasserabzug und ohne Bodenverdichtung. Der pH-Wert sollte um 6,5 liegen, und der Boden sollte für Wurzelwachstum und Ertrag ausreichend mit Phosphor und Kalium versorgt sein.
Miscanthus wächst auch auf weniger fruchtbaren Böden, an Hängen und auf schweren Tonböden, wo andere Kulturen geringere Erträge bringen. Dort kann er die Bodenstruktur verbessern und die Erosion verringern. Außerdem liefern so auch Flächen, die sonst kaum genutzt würden, eine Ernte.
Pflanzen Sie Miscanthus nicht auf dauerhaft staunassen Böden, auf reinem Sand, der kein Wasser hält, oder auf flachgründigen Böden über Festgestein. Meiden Sie auch Bachufer und Grabenböschungen, die bei Hochwasser überflutet werden, denn das Wasser kann Rhizomstücke fortspülen. Auf Flächen, die mit Schwermetallen belastet sind, muss der Boden vor der Pflanzung untersucht werden. Warum das nötig ist, erklären wir in unserem Artikel über marginale und belastete Flächen.
Anlage eines Miscanthus-Bestands in sechs Schritten
Wie ertragreich ein Miscanthus-Bestand wird, entscheidet sich weitgehend in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Pflanzung. Weil die jungen Pflanzen langsam wachsen, kommt es in dieser Zeit vor allem darauf an, dass die Rhizome gut einwurzeln und nicht vom Unkraut unterdrückt werden.
Anders als bei vielen herkömmlichen Kulturen gibt es für Miscanthus keine Standardempfehlung zum Herbizideinsatz. Die Unkrautbekämpfung beginnt deshalb schon vor der Pflanzung. Dazu gehören die Wahl des Standorts, die Feldsäuberung, eine gründliche Bodenvorbereitung und, wo nötig, der Anbau von Zwischenfrüchten.
- 01
Standortbewertung
Herbst des VorjahresPrüfen Sie pH-Wert, Bodenstruktur, Nährstoffversorgung und Wasserabzug des Feldes anhand der oben genannten Anforderungen, und beurteilen Sie den Unkrautdruck. Miscanthus verträgt eine weite pH-Spanne, gedeiht aber am besten auf schwach sauren bis neutralen Böden.
Bei hohem Unkrautdruck, vor allem durch ausdauernde Unkräuter, planen Sie die Feldsäuberung (Schritt 02) so, dass diese Unkräuter unter Kontrolle sind, bevor die Grundbodenbearbeitung beginnt.
- 02
Feldsäuberung
Herbst bis zeitiges FrühjahrSäubern Sie das Feld vor der Pflanzung so gründlich wie möglich. In dieser Zeit lassen sich ausdauernde Unkräuter am leichtesten zurückdrängen; sind die Rhizome erst im Boden, ist das weit schwieriger.
Je nach Feld eignen sich dafür eine ganzflächige Herbizidbehandlung, Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchte oder eine Kombination daraus.
- 03
Bodenvorbereitung
Vor der PflanzungDie Grundbodenbearbeitung reicht meist 25–30 cm tief; sie bricht Verdichtungen auf und fördert die Wurzelentwicklung. Vor der Pflanzung sollte der Boden eben, feinkrümelig und rückverfestigt sein, ohne grobe Schollen oder Ernterückstände.
In einem gut vorbereiteten Pflanzbett lassen sich die Rhizome gleichmäßig und mit engem Bodenschluss ablegen. Das erleichtert das Anwachsen.
- 04
Rhizompflanzung
März–Mai · Boden bei 10 °CPflanzen Sie im Frühjahr, sobald sich der Boden auf etwa 10 °C erwärmt hat. Üblich sind eine Pflanztiefe von 10–15 cm und ein Abstand von etwa 0,75 × 0,75 m; das ergibt rund 17.800 Rhizome je Hektar.
Ist der Oberboden trocken und der Boden erst unterhalb der üblichen Pflanztiefe feucht, können die Rhizome etwas tiefer gelegt werden. Das sollte ein Pflanzenbauberater entscheiden, denn zu tief gelegte Rhizome laufen unter Umständen schlecht auf.
- 05
Pflege des jungen Bestands
Erste SaisonKontrollieren Sie den Bestand nach der Pflanzung regelmäßig. In der ersten Saison kann es nötig sein, zwischen den Reihen zu hacken und Unkraut gezielt zu bekämpfen.
Jede Maßnahme richtet sich nach den vorhandenen Unkräutern, dem Entwicklungsstadium der Kultur, dem Boden und der Witterung. Die Verfahren beschreiben wir weiter unten im Abschnitt zur Unkrautbekämpfung im ersten Jahr.
Im ersten Jahr wird in der Regel nicht geerntet. Ziel dieser Saison ist ein gleichmäßiger, vitaler Bestand mit gut entwickeltem Wurzelsystem.
- 06
Erste Ernte
Ab Jahr 2Der Bestand bildet erstmals in der zweiten Saison verkaufsfähige Biomasse. Sie wird im darauffolgenden Spätwinter oder zeitigen Frühjahr geerntet. Von da an wird der Bestand jedes Jahr beerntet. Erntezeitpunkt und Ernteverfahren beschreiben wir weiter unten im Abschnitt zur Ernte.
Unkrautbekämpfung im ersten Jahr
Junge Miscanthus-Triebe sind konkurrenzschwach: Wenn Unkraut aufkommt, fehlen ihnen schnell Licht, Wasser und Nährstoffe.
Feldsäuberung und Bodenvorbereitung (Schritte 02 und 03) verringern den Unkrautbesatz schon vor der Pflanzung. Nach der Pflanzung wird das Unkraut mit den drei folgenden Maßnahmen bekämpft.
Vorauflauf. Nach der Pflanzung, bevor die Miscanthus-Triebe und die meisten Unkräuter auflaufen, kann ein Bodenherbizid mit Dauerwirkung ausgebracht werden. Es hält das Pflanzbett in den ersten Wochen sauber, in denen die Kultur am empfindlichsten ist.
Mittel, Aufwandmenge und Termin müssen zu Bodenart und Bodenfeuchte passen und den Herstellerangaben entsprechen.
Nachauflauf. Sobald die Miscanthus-Triebe aufgelaufen sind, ist bei der Unkrautbekämpfung mehr Sorgfalt nötig, weil die jungen Pflanzen auf manche Wirkstoffe und Tankmischungen empfindlich reagieren können.
Infrage kommen selektive Herbizide, eine gezielte Behandlung einzelner Unkrautnester oder beides. Spritzen Sie erst, wenn der Miscanthus gut eingewurzelt ist und die Unkräuter aktiv wachsen.
Mechanische Bekämpfung. Das Hacken zwischen den Reihen ist in der ersten Saison wichtig, vor allem dort, wo nur wenige Herbizide zur Verfügung stehen oder keine eingesetzt werden.
Üblich sind 2–3 Durchgänge im Frühjahr und Sommer, jeweils dann, wenn die Unkräuter noch klein und die jungen Triebe am wenigsten gefährdet sind. So wird das Unkraut zurückgedrängt, bis der Miscanthus etabliert ist und sich die Reihen zu schließen beginnen.
Wichtig. Über jeden Herbizideinsatz nach der Pflanzung sollte ein Pflanzenbauberater für das jeweilige Feld entscheiden. Verwenden Sie nur Mittel, die in Ihrem Land zugelassen sind.
Erträge über die Nutzungsdauer eines Bestands
Der Bestand erreicht den Vollertrag meist bis zur dritten Ernte. Bis dahin haben sich die Rhizome ausgebreitet, und die Pflanzen haben die Reihen geschlossen. Danach bleibt der Ertrag etwa 15 Jahre lang auf diesem Niveau und geht dann langsam zurück.
| Phase | Ertrag (t TM/ha) | Was geschieht |
|---|---|---|
| Pflanzjahr | Keine Ernte | Der Boden wird vorbereitet, und die Rhizome werden von März bis Mai gepflanzt. Am wichtigsten ist in diesem Jahr die Unkrautbekämpfung. |
| 1. Ernte | 8–15 | Erstmals fällt eine verkaufsfähige Ernte an. Die Pflanzen werden 2–3 m hoch, und das Rhizomgeflecht breitet sich aus. Der Bestand beginnt sich zu schließen und das Unkraut auszudunkeln. |
| 2. Ernte | 15–25 | Der Bestand hat fast seine volle Dichte erreicht. Die Pflanzen werden 3–4 m hoch, und die Wurzeln reichen tiefer als 1,5 m. |
| Ab der 3. Ernte | 18–36 | Der Vollertrag ist erreicht. Jetzt lässt sich messen, dass sich im Boden Kohlenstoff anreichert. |
| Ab Jahr 10 | 18–36 | Der Ertrag bleibt stabil. Tief im Boden reichern sich erhebliche Mengen Kohlenstoff an, und die Bodenstruktur verbessert sich sichtbar. |
| Jahr 20–25 | 15–30 | Bei manchen Beständen geht der Ertrag langsam zurück. Der Betrieb entscheidet dann, ob er den Bestand weiter nutzt oder einen neuen anlegt. |
Die Rhizome und die Bodenvorbereitung machen den größten Teil der Anlagekosten aus. Diese Kosten fallen vollständig vor der ersten Ernte an. Danach ist die Ernte der einzige große Kostenposten im Jahr. Die 20-Jahres-Kalkulation für einen Hektar finden Sie in unserem Artikel zu Miscanthus als Brennstoff.
Wann und wie geerntet wird
Der günstigste Erntezeitraum liegt meist im Februar und März, wenn der oberirdische Aufwuchs abgestorben ist. Bis dahin sind die Nährstoffe in die Rhizome zurückgewandert, ein Teil der Blätter ist abgefallen, und die Halme sind auf dem Feld abgetrocknet.
Die wichtigsten Ernteverfahren
Mähen, Schwaden und Pressen
Der Bestand wird gemäht. Das Mähgut bleibt zum Nachtrocknen im Schwad auf dem Feld liegen und wird dann zu üblichen Quader- oder Rundballen gepresst.
Direktes Häckseln
Ein selbstfahrender Feldhäcksler oder eine andere dafür angepasste Maschine schneidet und häckselt die Halme in einem Arbeitsgang. Das Verfahren eignet sich, wenn der Abnehmer Häckselgut verlangt oder wenn das Erntegut bald und ohne lange Lagerung genutzt oder verarbeitet wird.
Erntetechnik
Für die Ernte genügen übliche Ackerbaumaschinen aus dem eigenen Betrieb oder vom Lohnunternehmer: Mähwerke, Schwader, Pressen, Feldhäcksler und Anhänger. Das ist ein praktischer Vorteil gegenüber manchen anderen Energiepflanzen, für die unter Umständen Spezialtechnik nötig ist.
Messerverschleiß. Miscanthus-Halme enthalten viel Kieselsäure, die Schneidwerkzeuge schnell abnutzen kann. Legen Sie vor Erntebeginn Ersatzmesser bereit, und prüfen und schärfen Sie die Messer während der Arbeit regelmäßig.
Geringer Schädlings- und Krankheitsdruck in Europa
Bisher haben Schädlinge und Krankheiten im europäischen Miscanthus-Anbau nur wenige Probleme verursacht.
In der Anwachsphase ist schlechtes Pflanzgut ein größeres Risiko als Schädlinge und Krankheiten. Rhizome, die schwach, ausgetrocknet, beschädigt oder falsch gelagert sind oder aus einem sehr jungen oder sehr alten Mutterbestand stammen, können ungleichmäßig auflaufen. Daraus kann ein lückiger Bestand mit geringerem Ertragspotenzial entstehen.
In etablierten Beständen gefährden Schädlinge, Viren und Blattkrankheiten den Ertrag nur selten, und Behandlungen sind kaum nötig. Ein regelmäßiges Pflanzenschutzprogramm ist nicht erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
- Lewandowski, I. et al. (2000). Miscanthus: European experience with a novel energy crop. Biomass and Bioenergy, 19(4).
- Bullard, M. J. & Nixon, P. (2003). Optimisation of Miscanthus harvesting and storage strategies. Defra, UK.
- Huisman, W. & Kortleve, W. J. (1994). Mechanization of harvest and conservation of Miscanthus sinensis Giganteus. Industrial Crops and Products, 2(4).
- Davis, S. C. et al. (2010). Comparative biogeochemical cycles of bioenergy crops reveal nitrogen-fixation and low greenhouse gas emissions in a Miscanthus × giganteus agro-ecosystem. Ecosystems, 13.
Weiterführende Artikel


